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Verliebt, verlobt…

Ich bin ja seit Neuestem verlobt. Ein Zustand, den ich nur jedem ans Herz legen kann. Ich bin mir sicher, dass wir dem Weltfrieden mit steigenden Verlobungen ganz beträchtlich näher kommen würden. Also runter auf die Knie ihr Männer und Frauen.

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Nach der Frage und der richtigen Antwort feierten der Mann und ich also drei Tage im wunderschönen Stockholm unsere Verlobung. Der Paule hätte sich vielleicht einen Ort wählen sollten, der dem Alkoholgenuss etwas offener entgegensteht, denn nach gefühlten fünfzig „Oh mein Gott.“-Ausrufen meinerseits, folgte ziemlich schnell die Ansage: Ich brauche jetzt sofort einen Schnaps. Wir haben also erstmal einen Teil unseres Ersparten in Aquavit investiert. Selbiger Schnaps eignet sich hervorragend zum Verarbeiten von Lebensplänen. Kann nicht schaden, irgendwo eine Flasche zu bunkern.

Irgendwann zwischen geräuchertem Lachs und einer unfassbar guten Weinbegleitung, meldete sich mein Projektmanagement-Teil: da war ja noch diese Sache mit der Hochzeit. Sobald wir also wieder Berliner Boden unter den Füßen hatten, beschloss ich das Hochzeits-Projekt in Angriff zu nehmen. Konnte ja nicht so schwer sein. Location finden, Leute einladen, feiern bis zum Morgen, glücklich bis zum Ende aller Zeiten. Bäm!

Denkste. Die Deutschen machen auch im Hochzeitsbusiness ihrer perfekten Planung alle Ehre: „Sie wollen im September heiraten? Also Sie meinen schon September 2015, oder?“ Sollte irgendjemand unter Euch zufällig ein bisschen Kleingeld übrigen haben, empfehle ich so ein runtergekommenes Schloss in Brandenburg zu erwerben, und es als Hochzeitslocation zu vermarkten. Scheint bombenmäßig zu laufen. Ich verstehe jetzt auch, warum die meisten Mädchen schon mit ihren Puppen Hochzeit spielen. Die hatten vermutlich Eltern, die schonmal vorsorglich nebenbei eine Spardose aufstellten, in der man bei jeder Spielhochzeit einen Euro (Äh Mark, Gott ich bin alt, aber is ja jetzt auch egal. Hah!) hineinwarf. Ich hatte keine Hochzeits-Spardose und werde vermutlich so 2020 heiraten.

Da mein Verlobungshoch aber noch voll wirkt, werde ich mich noch lange nicht geschlagen geben. Irgendwo wird es einen Ort geben, an dem wir einfach wunderbar mit viel Getöse das verdammt beste Paar feiern werden: Uns.

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Im Kopf Wonder Woman,

Bildder Sommer ist definitiv vorbei. Aber sowas von. Und damit sind auch leider meine gesamten Verlage wieder im To-Do-Modus. Außerdem naht die Buchmesse und der Mann hat beschlossen jedes Wochenende im November ein Restaurant zu eröffnen. Dann war ja da noch die Sache mit dem Serienroman (die zweite Folge ist im Kopf schon geschrieben, aber davon habt ihr ja auch irgendwie nix) und ach ja, den Supermum Status hab ich auch gebucht. Also so für immer. Sollte jemand Langeweile übrig haben, kann er mir gerne etwas davon abgeben.

Gestern war ich mit meinem irgendwie-Chef lunchen. Er war vorher bei einer Firma, die neben eBooks auch Waschmaschinen verkauft und hatte ein paar Wochen frei. In dieser „Freizeit“ übernahm er die Kinder. Er meinte, er hat sich noch nie so auf die Arbeit gefreut. Businesstrips scheint er ganz dufte zu finden, wenn ich mir seinen Kalender so ansehe. Er hat mit dem Geständnis „Die Kinder sind mir im Alltag zu anstrengend“ überhaupt kein Problem. Ich fühle mich bereits wie die Abgesandte der Rabenmutter, wenn ich Ole einmal am Wochenende morgens einen Film anschalte um 30 Minuten länger schlafen zu können. Ich werfe mich auch mit Hingabe auf den Boden und baue Staus auf, wenn ich gerade aus Italien komme und eigentlich noch so einen Vertrag durchgehen muss. Ole kommt an erster Stelle. Immer.

Kürzlich habe ich mich dabei erwischt, wie ich meine Sexbilanz der letzten Wochen durchgegangen bin. Das Ergebnis war nicht zufriedenstellend. Einer Wonder Woman nicht angemessen. Denn die schmeißt sich, nachdem Sie das Kind mit pädagogisch wertvollen Büchern ins Bett gebracht hat, in die neuste Kollektion von Passionata, leitet das Vorspiel mit einem kurzen Blow Job ein und setzt sich dann im Astralköper und ohne Schwerkraftverlust der Brüste so auf den Gatten, bis dieser im Weltenverändernden Orgasmus in den Schlaf sinkt. Das nun ja, das kommt auch mal vor. Geburtstag, Weihnachten und so.

Ich wäre also dankbar für jedes Outing einer Normal-Mama. Dann kann ich das Wonder Woman Kostüm erstmal in den Schrank hängen. Der nächste Geburtstag kommt ja bestimmt.

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Krankes Kinds vs. kranke Mama: Kind siegt

Eigentlich war ich heute hoch motiviert. Ich habe beschlossen, den Montag zu ignorieren und quasi eine Donnerstags-Energie an den Tag zu legen. Aber dann kam alles anders. In irgendeiner unbedeutenden Tiefschlaf-Phase meinerseits, schrie der Sohn um zwei „Mama, komm“ aus dem Kinderzimmer.

Ich erlebe ein kurzes, aber sehr effizientes Energiehoch. Der nächtlichen Wachzustand des Sohnemanns darf auf keinen Fall die Fünf-Muten-Marke übersteigen, sonst geht er direkt in die „Ich bin wach und möchte spielen“-Phase. Also renne ich also rüber, hieve ihn vom Hochbett, murmel ein „schlaf wieder ein“ in seine Haare, lege mich hin, bin gedanklich schon wieder beim Traumanknüpfenm bis ich eine Temperaturveränderung merke: Es ist verdammt heiß hier. Die Ursache der Hitzewille liegt neben mir: Ole glüht. Ich verabschiede mich also von meinem Nachtschlaf und versuche den sich hin und herrollenden Glühball, zum Einschlafen zu bewegen. Irgendwann geben wir beide auf. Ich stehe also auf und gehe mit Ole auf die Couch um Petterson und Findus zu lesen. Wir haben Zeit. Wir können Kinderbücher lesen, die eigentlich „Kinderromane mit Bildanteil“ heißen sollten. Irgendwann bei der dritten Seite (also nach ca. 15 Minuten Lesezeit) schaut Ole mich kritisch an: „Mama du klingst komisch.“ Ich will ihm gerade den Zusammenhang zwischen Schlafentzug und meinen Stimmbändern erklären, als mir klar wird, dass ich wirklich quietsche. Außerdem habe ich mal eben eine Packung Taschentücher verbraucht. „Mama, du bist krank“. Stimmt.

Ich habe so ein seltsames Löwenmama-Gen, das ausbricht, sobald die Brut krank ist: Ich nenne es die absolute Selbst-Ausblendung. Während Ole bereits wieder lustig vor sich hin spielt, bin ich wirklich krank. Merke davon aber nix. Seine Taktik sah vermutlich so aus: Eigentlich geht’s mir super, aber ich könnte zuhause bleiben. Also wähle ich diese Option. Kluges Kerlchen.

Jetzt sitzen wir also hier. Ich liege im Bett und Ole baut Staus auf. Ich habe wirklich selten so tiefe Empfindung für Autos gehegt. Wir sind uns einig: Man kann nicht genug davon haben.

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Von Italien zum Fitness-Tracker,

Der Berliner Himmel und ich haben keine gute Beziehung. Schuld daran, ist die Farbe Grau. Grau löst bei mir auch nach fünf Jahren Berlin immer noch keine Verzückung aus. Ich hab’s versucht. Aber es klappt nicht. Sogar meine Grau-Studien, dank denen ich bei Instagram beinahe in echte Hippster Kreise aufgestiegen bin, haben mich nicht weitergebracht: Grau und ich werden keine Freunde. Also gibt es nur die Flucht nach vorn. In ein Land, in dem der Himmel ein konstantes blau aufweist. Ein Meer auf dem Kopf. Italien.

Als Deutsche eine Italiensehnsucht zu haben, ist zugeben ein bisschen Klischeehaft, aber hey, ich wohne auch in nem Reihenhaus, ein Revoluzzer wird aus mir nicht mehr. Irgendwie hab ich es hinbekommen, ca. acht Mal im Jahr in Bella Italia zu weilen. Auch wenn ich die meiste Zeit davon in Meetings sitze, weiß ich, dass der Himmel über mir blau ist. Und ja, das macht einen Unterschied.

 Die Wahl meines Urlaubsortes ist dementsprechend einfach: Italien. Also verfrachte ich regelmäßig die Liebsten in ein Flugzeug, um eine Woche Blau-Studien zu betreiben. So auch diese Sommerferien: Es ging in die südliche Toskana .Und was soll man sagen, es war herrlich. Das Meer glitzerte, die Sonne schien, die Kinder spielten und wir schalteten in den Erholungsmodus. Da Moritz Erholungsmodus gleichbedeutend mit „Ich kaufe sehr viel totes Tier ein“ ist, haben wir jeder gefühlt drei Kühe gegessen. Die Ökobilanz unseres Urlaubs ging mit dem Kalorienverbrauch Hand in Hand. Wir waren Sünder und bekannten uns schuldig.

 Kaum in Berlin angekommen, kaufte sich Moritz als ersten Akt der Beichte eine fitbit flex. Dieses Armband ist der Inbegriff von Huxleys „Schöne neue Welt“. Big Brother in Reinkultur, gepaart mit gutem Karma, weil der User fitter und schöner wird. Dieses neue Health Gadget (ja, das gibt es wirklich, ich habe das gegoogelt) zeichnet alles auf, was sein Träger so macht. Wie viele Schritte man läuft, wie viele Kalorien man verbrennt, wie viel man schläft. Man setzt sich ein Ziel und das Armband zeigt den Fortschritt an, indem eines der Leuchtdioden angeht. Ein leuchtendes Lämpchen sind 20% des Ziels. Statt dir zu sagen „Du bist fett und faul“ leuchtet es einfach nicht. Es ist ein stummer Ankläger.  Keine Erleuchtung = kein Astralkörper.

Ich frage mich wie viele Armbänder wir so in Zukunft tragen. Eins für die Krankenkasse (Motte: Lauf mehr), eins für den Arbeitgeber (Motte: Arbeite effektiver), eins für die Beziehung (Motto: Habe mehr Sex) eins für’s Kind (Motto: Lies mehr vor). Lustig wird’s, wenn die Armbänder sich gegenseitig bekriegen. Und das Kinderarmband, dem Arbeits- und Beziehungsarmband böse Leuchtdioden zuschickt. Ich empfehle ja eine kleine Nachbesserung. Bei negativer Fitnessbilanz sollte das Lämpchen rot leuchtet. Vermutlich wäre es im Urlaub explodiert.        

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Sommerfest oder der Kleinkrieg im Park

Wenn man vollkommen unterschiedliche (und teils verfeindete) Gruppen nachmittags zusammen auf einem Stück Wiese picknicken lässt, und diese sich gepflegt Sekt in pinke wiederverwertbare Plastikbecher von Ikea einschenken, dann befindet man sich vermutlich auf einem Sommerfest. Diese angebliche Freizeitveranstaltung hat saisonalen Charakter und findet mit erschreckender Beständigkeit mehrmals im Jahr unter den Namen „Weihnachtsfeier“, „Faschingsfeier“, oder „Laternenfest“ statt. (Ich danke dem Festtagsgoot, dass er noch kein „Frühlingsfest“ eingeführt hat)

Das Setting ist immer das Gleiche: Elternpaare („Wir würden es ganz großartig finden, wenn beide Elternteile kommen. Ist ja nur ein paar mal im Jahr.“) treffen mit Decken, biozertifizierten Kuchen und massenhaft Alkohol aufeinander. (Die seelig lächelnden Eltern auf grünem Untergrund sind die getrennten, total betrunkenen Ex-Paare.) plus Erzieher kommen dazu und ab da tickt die Uhr. Mindestens zwei Stunden (länger als ein herkömmliches Fußballspiel) wird sich nun amüsiert.

Strategischer Angelpunkt ist der Standort der Decke: Sollte man aus lauter Unbedachtheit beispielsweise neben dem Paar landen, das Trennungen der Elternpaare als „Vergewaltigung der Kinderseele“ ansieht, kann man sich den Kuchen zusammen mit ein paar Ave Marias zu Gemüte führen. (Ist mir einmal passiert. Die Lernkurve ging danach steil nach oben) Auch die Präsentationsfläche des „echten wahren Familienglücks“ (Eltern mit ZWEI Kindern von denselbem Partnern) sollte großräumig umschifft werden. („Na, hast du nicht auch noch Lust auf ein Zweites? Obwohl bei deiner Situation ist das ja etwas schwieriger“). Man lächelt weiter und sieht gerührt zu, wie sich die Babys vollsabbern. Bleiben also noch die anderen getrennten Eltern. Hier trifft man auf wahre Seelenverwandtschaften: Man tauscht sich über die besten Singleplattformen aus („Die wollen mir alle durch die Haare wuscheln“) plant die kinderfreien Wochenenden (Das Wort „Ausschlafen“ darf man bei fortgeschrittener Stunde ruhig mal in die Famileinglücksecke schleudern.)  und wischt zwischendurch mit Feuchttüchern über Schokomünder. Ab und zu kommt der Expartner ins Bild, um zu der gebunkerter Sektflasche zu greifen. Man lächelt sich an und sagt sich, dass es hätte schlimmer kommen können.

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Fuck Altbauwohnung, wir sind jetzt Spießer

Berlin heißt Altbauwohnung auf über 100 qm. Dielen, die knarzen, Flügeltüren und Stuck, der porös an der Decke hängt. Alternativ wäre da noch das Loft, das man sich in eine Fabriketage einbaut. Hier wird dann getrunken, geraucht und gevögelt. Und bevor man die Laken vors Fenster hängt, weil der Morgen doch recht hell ist, geht’s noch schnell zu Curry 36, ne Wurst essen.

Soweit so normal. Sobald die Kids da sind, versucht man diese locker in das bisherige Setting einzubauen. Die Bierflaschen kommen ins Altglas (gibt’s tatsächlich), die Dielen  werden von Babysabber eingespeichelt und das Vögeln, naja… Harte Realitäten, die man bisher bei jedem Besuch der Eltern verneint hat, brechen über das neue Familienleben herrein: Diese Hauptstrasse, von der immer alle reden, ist tatsächlich recht laut. Und wieso präsentieren sich Hundescheiße, Kippen und Kornkorken auf jedem Quadratmeter Grünfläche in Berlin als die hohe Dreifaltigkeit.

Weil man dem Kind aber auch die Natur in der Stadt zeigen will, („Berlin hat ja unfassbar viele Grünflachen“)  sucht man also mit Babydecke und Feuchttüchern bewaffnet eine einigermaßen akzeptable Naturfläche und breitet alles aus. Das Kind zupft fröhlich am urinierten Gras, während man sich in Relaxen übt. (Ich glaube an eine direkten Korrelation zu Hundescheiße und Yoga-Kursen). Später, wenn der Nachwuchs genug Erde in sich reingestopft hat (Dreck reinigt den Magen), packt man die Sachen ein, macht noch einen kurzen Abstecher auf dem Spielplatz (wo man das Wunder von Überbevölkerung life miterleben darf) und kommt dann vollkommen erledigt in seine Altbauwohnung. Dort geht man als erstes auf den eigentlich ziemlich heißen Nachbarn los und teilt diesem mit, dass er  ab 20 Uhr seine Anlage nicht mehr voll aufdrehen muss. „Es gibt auch Leute, die Kinder haben.“ Spätestens dann erscheint einem die Vorstellung eines eigenen Gartens als die Inkarnation der Glückseligkeit. Jetzt muss man also nur noch ein Haus finden, das mitten in Berlin ist (also hübsch im Ring) und einen Garten hat. Is klar. Kriegen wir hin, wir sind schließlich jetzt Spießer.