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Sommerfest oder der Kleinkrieg im Park

Wenn man vollkommen unterschiedliche (und teils verfeindete) Gruppen nachmittags zusammen auf einem Stück Wiese picknicken lässt, und diese sich gepflegt Sekt in pinke wiederverwertbare Plastikbecher von Ikea einschenken, dann befindet man sich vermutlich auf einem Sommerfest. Diese angebliche Freizeitveranstaltung hat saisonalen Charakter und findet mit erschreckender Beständigkeit mehrmals im Jahr unter den Namen „Weihnachtsfeier“, „Faschingsfeier“, oder „Laternenfest“ statt. (Ich danke dem Festtagsgoot, dass er noch kein „Frühlingsfest“ eingeführt hat)

Das Setting ist immer das Gleiche: Elternpaare („Wir würden es ganz großartig finden, wenn beide Elternteile kommen. Ist ja nur ein paar mal im Jahr.“) treffen mit Decken, biozertifizierten Kuchen und massenhaft Alkohol aufeinander. (Die seelig lächelnden Eltern auf grünem Untergrund sind die getrennten, total betrunkenen Ex-Paare.) plus Erzieher kommen dazu und ab da tickt die Uhr. Mindestens zwei Stunden (länger als ein herkömmliches Fußballspiel) wird sich nun amüsiert.

Strategischer Angelpunkt ist der Standort der Decke: Sollte man aus lauter Unbedachtheit beispielsweise neben dem Paar landen, das Trennungen der Elternpaare als „Vergewaltigung der Kinderseele“ ansieht, kann man sich den Kuchen zusammen mit ein paar Ave Marias zu Gemüte führen. (Ist mir einmal passiert. Die Lernkurve ging danach steil nach oben) Auch die Präsentationsfläche des „echten wahren Familienglücks“ (Eltern mit ZWEI Kindern von denselbem Partnern) sollte großräumig umschifft werden. („Na, hast du nicht auch noch Lust auf ein Zweites? Obwohl bei deiner Situation ist das ja etwas schwieriger“). Man lächelt weiter und sieht gerührt zu, wie sich die Babys vollsabbern. Bleiben also noch die anderen getrennten Eltern. Hier trifft man auf wahre Seelenverwandtschaften: Man tauscht sich über die besten Singleplattformen aus („Die wollen mir alle durch die Haare wuscheln“) plant die kinderfreien Wochenenden (Das Wort „Ausschlafen“ darf man bei fortgeschrittener Stunde ruhig mal in die Famileinglücksecke schleudern.)  und wischt zwischendurch mit Feuchttüchern über Schokomünder. Ab und zu kommt der Expartner ins Bild, um zu der gebunkerter Sektflasche zu greifen. Man lächelt sich an und sagt sich, dass es hätte schlimmer kommen können.

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