Product Placement im Klassenzimmer

BMW ist ein großer Filmförderer, Becks sowieso und ohne Channel hätten wir die ein, oder andere Perle des Kinos vermisst. James Bond geht auch gerne mal fremd, was die Wahl des Autos betrifft. Und auch wenn es ganze Bibliotheken dazu gibt, warum die Wirtschaft nicht in die Filmkunst eingreifen darf, überrascht es die wenigstens wenn wir zufällig einen Zoom auf eine Biermarke sehen, wenn im Film mal so richtig einer drauf gemacht wird. Aber wenn ein halbwegs Erwachsener Mensch sich einen Aston Martin zulegt, weil er sich dann ein bisschen nach Superheld fühlt, ist das in Ordnung.

Ein sechs, oder siebenjähriges Kind fragt sich nicht, warum seine Unterrichtsmaterialien von diesem Keks gesponsort werden, aber es erkennt die Marke wieder, wenn es im Supermarkt steht. Ein Teenager, der je nach Gemütszustand gerade zwischen „ich bin voll scheiße“ und „Alter, seh ich mega aus“ schwankt, glaubt vielleicht kurzzeitig doch, dass er mit der Bodylotion ne Schnitte bei dem Typen eine Klasse höher hat. Kinder sind leicht zu beeinflussen. Das ist so. Und ich beschwere mich nicht, wenn Bonbons, Schlafanzüge, Zahnbürsten, Rucksäcke mit „Cars“ gebrandet werden. Ich weiß, dass Ole einen Nörgelanfall bekommt, wenn er im Supermarkt steht, weil auf den Süßigkeiten Piraten drauf sind und die „super gefährlich“ sind. Das sind Dinge, die kann ich erklären und selbst beeinflussen. (Meine Nerven und ich haben beschlossen, dass ich ohne Kind einkaufen gehe) Es sollte aber Räume geben, da ist ein Tonpapier nur zum basteln da und nicht eine „Werbeoberfläche“, da steht im Lesebuch nur was von Pipi Langstrumpf, ohne Logo eines Reiseanbieters, der auch nach Schweden fährt. Sponsoring an Schulen ist teilweise erlaubt, Werbung nicht. Ne is klar. Die Grenzen sind ja auch vollkommen eindeutig. Das Sponsoring lohnt sich. Nach Angaben des Bundesverbands der Verbraucherzentralen verfügen Schüler von sechs bis 19 Jahren über eine jährliche Kaufkraft von 20 Milliarden Euro. Also rann an die Schüler. 

Es gibt bestimmt Lehrer, die Kinder aufklären und die Werbebotschaft somit abmildern. Aber wenn in Neukölln ein Lehrer vor einer Klasse steht, die ihn noch nicht mal richtig verstehen, dann kann ich mir diese Art von Aufklärung beim besten Willen nicht vorstellen.

Dove hat aktuell eine Kampagne, die noch ausgebuffter ist. Unter dem Motto BodyTalks will sie das Selbstbewusstsein von jungen Mädchen stärken. Im Prinzip eine sehr feine Sache, nur eben bitte nicht an Schulen.

Wie Maike von Wegen beschreibt, sind die Ziele von BodyTalks:

  • Altersgerechte Präventionseinheiten zu Köperbild und Rollenidentität
  • Übungen zur Selbstwertstärkung
  • Auseinandersetzung mit Mediendarstellungen anhand von Foto- und Filmmaterial
  • Diskussionsrunden zum Umgang mit gesellschaftlichen Normen

Man mag mich pessimistisch nennen, aber irgendwie glaube ich nicht, dass das Foto-und Filmmaterial ohne Logo von Dove auskommen wird. Und was heißt das dann? Du bist zwar wunderschön, sexy und anmutig, aber hey, du brauchst trotzdem ein Produkt, was dich darin unterstützt? Und weil wir dir das „Good Feeling“ geben, sind wir die nette, sympathische Marke deines Vertrauens. Dieses Image haben wir uns nämlich verdient. 

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