Der Berg ruft

Berlin is ja ne janz dufte Sache, allerdings würde ich die Stadt gerne um zwei Features ergänzen: Das Meer und die Berge.

Das Meer hat bei mir einen Yoga-Effekt. Bei so viel Blau, lasse sogar ich los. Netterweise muss ich mir dafür weder irgendwelche Muskeln zerren, noch den Hintern in die Luft strecken und einen auf Hund machen. Ein bisschen am Strand laufen, Salzluft atmen und schon bin ich mir sicher, dass das mit der Vollzeitstelle, dem Reisen, dem Vermissen des Kindes, dem Erziehen, der Partnerschaft, dem gesellschaftlich verträglichen Konsum klappt. Und weil ich gerade dabei bin: das mit der Bildung für sozial Schwache sollte doch auch machbar sein. Nachdem ich in letzter Zeit immer mehr an meinen persönlichen Superkräften gezweifelt habe, habe ich kurzentschlossen die Sachen gepackt und bin erst mal ans Meer gedüst. Mit Moritz, ohne Ole und vor allem ganz ohne mein Outlook. Großartig. Work Life Balance, ohne Work funktioniert blendend. Danach haben wir noch nen kurzen Abstecher zu diesem wunderschönen Ort  in Mecklenburg gemacht.

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Danach hab ich dann die Berge in Angriff genommen. Mit veränderter Männerkonstellation. Dieses mal war Ole dabei, während Moritz zuhause am Herd stand, um für sein  Pop-up Restaurant zu üben. Ich bin kompromissfähig. Sollte ich mir bei Gelegenheit mal bei LinkedIn als Kenntnisse dazuschreiben. Ole und ich sind also lustige 6:45 Stunden Zug gefahren. Gefühlt sind wir ca. 20 mal den ICE rauf und runtergelaufen, haben mindestens 300 Unfälle mit dem Lamborghini, dem Porsche und den anderen „schnellen Flitzern“ gebaut und sämtliche Kinder kennengelernt, die ebenfalls Purzelbäume durch die Gänge machten. Gefolgt von Müttern die im drei Minuten Takt „Mach wenigstens den Mund zu, wenn du am Boden robbst“ riefen. Bei  Zugfahrten hört die Erziehung auf.

Irgendwann waren wir dann da. In Bayern, bei den Bergen. Meine Eltern haben mich als Kind jeden Sonntag nach Garmisch geschleppt. Wenn ein Niederländer und eine Norddeutsche nach Bayern ziehen, dann haben sie bezüglich Berge ne Menge nachzuholen. Also habe ich zusammen mit meiner Schwester den Eckbauer, den Hausberg und irgendwann auch den Wangen bezwungen. Das beste war die Gondelfahrt und der Kaiserschmarrn auf der Hütten. Jetzt saß neben mir mein Sohn und rief in einer Tour „Schau mal Mama, da ist NOCH ne Gondel.“ Nein, er hat nicht die Aussicht genossen, nein, er fand die Luft nicht bezaubernd, er hat den Gondeln seine volle Aufmerksamkeit gewidmet. „Mama, sind Gondeln die Lamborghinis der Berge?“ Als wir dann irgendwo bei 1273m ausgestiegen sind, verwandelte sich mein sonst eher lauffauler Sohn in einer Triathleten. Der ist den Berg runtergepest, als hätte er in seinem Leben nichts anderes gemacht. Zwischendurch ist mir spontan das Herz stehengeblieben, aber für Drama hatte ich keine Zeit. Als wir im Tal waren, riefen meine Eltern kurz mal durch, um zu hören, wo wir denn seien. „Ähm ja, also schon unten.“ Der herzkranke Hund meiner Mutter war auf so viel Ausdauer nicht vorbereitet und sah Ole aus sehr müden Augen an. Hunde können herrlich vorwurfsvoll sein.

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Jetzt nach der Buchmesse ist der Berg zwar schon wieder ziemlich weit entfernt, aber irgendwann wiederholen wir das. Dann mit Moritz, mit Ole und ohne Hund.

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