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Langzeitbeziehungen: Sex suchste hier vergebens

Letzten Samstag waren wir frühstücken. Und weil die sonstigen Hirn-Ausschalt-Zeitschriften meines Vertrauens nicht zur Hand waren, griff ich zur NEON. Eigentlich bin ich der Meinung, ich sei aus der NEON rausgewachsen und müsse das für meine Sozialgruppe entwickelte Produkt NIDO lesen, aber die war auch weg. Also wurde ich kurz wieder Studentin und blätterte mich durch „Unnützes Wissen“ (die haben jetzt sogar ne Facebook Seite, also das gab’s damals noch nicht

Im finnischen Reisepass sind die Seiten ein Daumenkino, das einen laufenden Elch zeigt

Sah mir kurz die ehrlichen Kontaktanzeigen durch. Da sind immer noch alle zickig, besitzergreifend und chaotisch. Immerhin. Gibt’s jetzt auch live und in Farbe im Video.

Bis ich zum Artikel  „Die Treuefalle“ stieß, der sich auf das allseits brisante Thema: Wie machst du’s mit der Treue“  stürzte. Ragnar Beer, der die Online Paartherapie-Plattform Theratalk an der Universität Göttingen leitet, war einer der zitierten Wissenschaftlicher. Und der, naja, der sagte den Satz, der in mir ein „SO GEHT DAS ABER NICHT“ auslöste.

„Die sexuelle Zufriedenheitskurve ist die traurigste Kurve, die ich in meiner Forscherkarriere gesehen habe.“

Da mir mein Soziologie-Prof aber immer eingeschärft hat: „Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast“ hieß es für Moritz an dem Wochenende: Rann an die Frau. Also an mich. Ich glaube nämlich an Liebe und Sex und Langzeit und so. Das lief auch alles bestens, bis, also bis Ole auftauchte. Dann stürzte die Kurve ab. Ungefähr so muss sich ein Investor fühlen, der gedanklich bereits drei Villen auf den Malediven hat und dann nach Hohenschönhausen ziehen muss. Dieses Thema hat die NEON leider nicht beleuchtet, wegen der Zielgruppe und so. Ich werde Herrn Beer schreiben. Ich befürchte die Antwort wird nicht dazu führen, dass sexuell aktive Paare eine Großfamilie planen. Ich beobachte das und ich werde weiterhin Gegenmaßnahmen starten. Für eine sexuelle Zufriedenheitskurve bei Eltern. Ich berichte dann gerne in der NIDO.

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Product Placement im Klassenzimmer

BMW ist ein großer Filmförderer, Becks sowieso und ohne Channel hätten wir die ein, oder andere Perle des Kinos vermisst. James Bond geht auch gerne mal fremd, was die Wahl des Autos betrifft. Und auch wenn es ganze Bibliotheken dazu gibt, warum die Wirtschaft nicht in die Filmkunst eingreifen darf, überrascht es die wenigstens wenn wir zufällig einen Zoom auf eine Biermarke sehen, wenn im Film mal so richtig einer drauf gemacht wird. Aber wenn ein halbwegs Erwachsener Mensch sich einen Aston Martin zulegt, weil er sich dann ein bisschen nach Superheld fühlt, ist das in Ordnung.

Ein sechs, oder siebenjähriges Kind fragt sich nicht, warum seine Unterrichtsmaterialien von diesem Keks gesponsort werden, aber es erkennt die Marke wieder, wenn es im Supermarkt steht. Ein Teenager, der je nach Gemütszustand gerade zwischen „ich bin voll scheiße“ und „Alter, seh ich mega aus“ schwankt, glaubt vielleicht kurzzeitig doch, dass er mit der Bodylotion ne Schnitte bei dem Typen eine Klasse höher hat. Kinder sind leicht zu beeinflussen. Das ist so. Und ich beschwere mich nicht, wenn Bonbons, Schlafanzüge, Zahnbürsten, Rucksäcke mit „Cars“ gebrandet werden. Ich weiß, dass Ole einen Nörgelanfall bekommt, wenn er im Supermarkt steht, weil auf den Süßigkeiten Piraten drauf sind und die „super gefährlich“ sind. Das sind Dinge, die kann ich erklären und selbst beeinflussen. (Meine Nerven und ich haben beschlossen, dass ich ohne Kind einkaufen gehe) Es sollte aber Räume geben, da ist ein Tonpapier nur zum basteln da und nicht eine „Werbeoberfläche“, da steht im Lesebuch nur was von Pipi Langstrumpf, ohne Logo eines Reiseanbieters, der auch nach Schweden fährt. Sponsoring an Schulen ist teilweise erlaubt, Werbung nicht. Ne is klar. Die Grenzen sind ja auch vollkommen eindeutig. Das Sponsoring lohnt sich. Nach Angaben des Bundesverbands der Verbraucherzentralen verfügen Schüler von sechs bis 19 Jahren über eine jährliche Kaufkraft von 20 Milliarden Euro. Also rann an die Schüler. 

Es gibt bestimmt Lehrer, die Kinder aufklären und die Werbebotschaft somit abmildern. Aber wenn in Neukölln ein Lehrer vor einer Klasse steht, die ihn noch nicht mal richtig verstehen, dann kann ich mir diese Art von Aufklärung beim besten Willen nicht vorstellen.

Dove hat aktuell eine Kampagne, die noch ausgebuffter ist. Unter dem Motto BodyTalks will sie das Selbstbewusstsein von jungen Mädchen stärken. Im Prinzip eine sehr feine Sache, nur eben bitte nicht an Schulen.

Wie Maike von Wegen beschreibt, sind die Ziele von BodyTalks:

  • Altersgerechte Präventionseinheiten zu Köperbild und Rollenidentität
  • Übungen zur Selbstwertstärkung
  • Auseinandersetzung mit Mediendarstellungen anhand von Foto- und Filmmaterial
  • Diskussionsrunden zum Umgang mit gesellschaftlichen Normen

Man mag mich pessimistisch nennen, aber irgendwie glaube ich nicht, dass das Foto-und Filmmaterial ohne Logo von Dove auskommen wird. Und was heißt das dann? Du bist zwar wunderschön, sexy und anmutig, aber hey, du brauchst trotzdem ein Produkt, was dich darin unterstützt? Und weil wir dir das „Good Feeling“ geben, sind wir die nette, sympathische Marke deines Vertrauens. Dieses Image haben wir uns nämlich verdient. 

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Der Berg ruft

Berlin is ja ne janz dufte Sache, allerdings würde ich die Stadt gerne um zwei Features ergänzen: Das Meer und die Berge.

Das Meer hat bei mir einen Yoga-Effekt. Bei so viel Blau, lasse sogar ich los. Netterweise muss ich mir dafür weder irgendwelche Muskeln zerren, noch den Hintern in die Luft strecken und einen auf Hund machen. Ein bisschen am Strand laufen, Salzluft atmen und schon bin ich mir sicher, dass das mit der Vollzeitstelle, dem Reisen, dem Vermissen des Kindes, dem Erziehen, der Partnerschaft, dem gesellschaftlich verträglichen Konsum klappt. Und weil ich gerade dabei bin: das mit der Bildung für sozial Schwache sollte doch auch machbar sein. Nachdem ich in letzter Zeit immer mehr an meinen persönlichen Superkräften gezweifelt habe, habe ich kurzentschlossen die Sachen gepackt und bin erst mal ans Meer gedüst. Mit Moritz, ohne Ole und vor allem ganz ohne mein Outlook. Großartig. Work Life Balance, ohne Work funktioniert blendend. Danach haben wir noch nen kurzen Abstecher zu diesem wunderschönen Ort  in Mecklenburg gemacht.

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Danach hab ich dann die Berge in Angriff genommen. Mit veränderter Männerkonstellation. Dieses mal war Ole dabei, während Moritz zuhause am Herd stand, um für sein  Pop-up Restaurant zu üben. Ich bin kompromissfähig. Sollte ich mir bei Gelegenheit mal bei LinkedIn als Kenntnisse dazuschreiben. Ole und ich sind also lustige 6:45 Stunden Zug gefahren. Gefühlt sind wir ca. 20 mal den ICE rauf und runtergelaufen, haben mindestens 300 Unfälle mit dem Lamborghini, dem Porsche und den anderen „schnellen Flitzern“ gebaut und sämtliche Kinder kennengelernt, die ebenfalls Purzelbäume durch die Gänge machten. Gefolgt von Müttern die im drei Minuten Takt „Mach wenigstens den Mund zu, wenn du am Boden robbst“ riefen. Bei  Zugfahrten hört die Erziehung auf.

Irgendwann waren wir dann da. In Bayern, bei den Bergen. Meine Eltern haben mich als Kind jeden Sonntag nach Garmisch geschleppt. Wenn ein Niederländer und eine Norddeutsche nach Bayern ziehen, dann haben sie bezüglich Berge ne Menge nachzuholen. Also habe ich zusammen mit meiner Schwester den Eckbauer, den Hausberg und irgendwann auch den Wangen bezwungen. Das beste war die Gondelfahrt und der Kaiserschmarrn auf der Hütten. Jetzt saß neben mir mein Sohn und rief in einer Tour „Schau mal Mama, da ist NOCH ne Gondel.“ Nein, er hat nicht die Aussicht genossen, nein, er fand die Luft nicht bezaubernd, er hat den Gondeln seine volle Aufmerksamkeit gewidmet. „Mama, sind Gondeln die Lamborghinis der Berge?“ Als wir dann irgendwo bei 1273m ausgestiegen sind, verwandelte sich mein sonst eher lauffauler Sohn in einer Triathleten. Der ist den Berg runtergepest, als hätte er in seinem Leben nichts anderes gemacht. Zwischendurch ist mir spontan das Herz stehengeblieben, aber für Drama hatte ich keine Zeit. Als wir im Tal waren, riefen meine Eltern kurz mal durch, um zu hören, wo wir denn seien. „Ähm ja, also schon unten.“ Der herzkranke Hund meiner Mutter war auf so viel Ausdauer nicht vorbereitet und sah Ole aus sehr müden Augen an. Hunde können herrlich vorwurfsvoll sein.

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Jetzt nach der Buchmesse ist der Berg zwar schon wieder ziemlich weit entfernt, aber irgendwann wiederholen wir das. Dann mit Moritz, mit Ole und ohne Hund.