Von Italien zum Fitness-Tracker,

Der Berliner Himmel und ich haben keine gute Beziehung. Schuld daran, ist die Farbe Grau. Grau löst bei mir auch nach fünf Jahren Berlin immer noch keine Verzückung aus. Ich hab’s versucht. Aber es klappt nicht. Sogar meine Grau-Studien, dank denen ich bei Instagram beinahe in echte Hippster Kreise aufgestiegen bin, haben mich nicht weitergebracht: Grau und ich werden keine Freunde. Also gibt es nur die Flucht nach vorn. In ein Land, in dem der Himmel ein konstantes blau aufweist. Ein Meer auf dem Kopf. Italien.

Als Deutsche eine Italiensehnsucht zu haben, ist zugeben ein bisschen Klischeehaft, aber hey, ich wohne auch in nem Reihenhaus, ein Revoluzzer wird aus mir nicht mehr. Irgendwie hab ich es hinbekommen, ca. acht Mal im Jahr in Bella Italia zu weilen. Auch wenn ich die meiste Zeit davon in Meetings sitze, weiß ich, dass der Himmel über mir blau ist. Und ja, das macht einen Unterschied.

 Die Wahl meines Urlaubsortes ist dementsprechend einfach: Italien. Also verfrachte ich regelmäßig die Liebsten in ein Flugzeug, um eine Woche Blau-Studien zu betreiben. So auch diese Sommerferien: Es ging in die südliche Toskana .Und was soll man sagen, es war herrlich. Das Meer glitzerte, die Sonne schien, die Kinder spielten und wir schalteten in den Erholungsmodus. Da Moritz Erholungsmodus gleichbedeutend mit „Ich kaufe sehr viel totes Tier ein“ ist, haben wir jeder gefühlt drei Kühe gegessen. Die Ökobilanz unseres Urlaubs ging mit dem Kalorienverbrauch Hand in Hand. Wir waren Sünder und bekannten uns schuldig.

 Kaum in Berlin angekommen, kaufte sich Moritz als ersten Akt der Beichte eine fitbit flex. Dieses Armband ist der Inbegriff von Huxleys „Schöne neue Welt“. Big Brother in Reinkultur, gepaart mit gutem Karma, weil der User fitter und schöner wird. Dieses neue Health Gadget (ja, das gibt es wirklich, ich habe das gegoogelt) zeichnet alles auf, was sein Träger so macht. Wie viele Schritte man läuft, wie viele Kalorien man verbrennt, wie viel man schläft. Man setzt sich ein Ziel und das Armband zeigt den Fortschritt an, indem eines der Leuchtdioden angeht. Ein leuchtendes Lämpchen sind 20% des Ziels. Statt dir zu sagen „Du bist fett und faul“ leuchtet es einfach nicht. Es ist ein stummer Ankläger.  Keine Erleuchtung = kein Astralkörper.

Ich frage mich wie viele Armbänder wir so in Zukunft tragen. Eins für die Krankenkasse (Motte: Lauf mehr), eins für den Arbeitgeber (Motte: Arbeite effektiver), eins für die Beziehung (Motto: Habe mehr Sex) eins für’s Kind (Motto: Lies mehr vor). Lustig wird’s, wenn die Armbänder sich gegenseitig bekriegen. Und das Kinderarmband, dem Arbeits- und Beziehungsarmband böse Leuchtdioden zuschickt. Ich empfehle ja eine kleine Nachbesserung. Bei negativer Fitnessbilanz sollte das Lämpchen rot leuchtet. Vermutlich wäre es im Urlaub explodiert.        

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3 Gedanken zu “Von Italien zum Fitness-Tracker,

  1. Sehr amüsant geschrieben, danke für den Schmunzler zum Freitagmo.. ähm -nachmittag 😉 so ein wenig Blaustudien betreiben tut der Seele unheimlich gut, habe ich in den letzten Tagen am Badesee auch feststellen dürfen.

    Amüsierte Grüße aus der östlichen Ecke Brandenburgs & ein schönes Wochenende!
    Sandra

      • Ja, das kann ich mir vorstellen. Das Wetter soll am Wochenende leider nicht ganz so blau werden.. heute ist hier ebenfalls Graustudie angesagt. Gefällt mir nicht.

        Dem Grau mit bunten Farben trotzende Grüße
        Sandra

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