Zeitmanagement oder warum ich unseren Familienplaner liebe

Ich war mal spontan. Vor sehr langer Zeit. Bevor der Taktungs-Wahnsinn anfing. Freunde riefen an, wenn sie übers Wochenende „aus dieser verdammten Stadt“ rauswollten, Bekannte klingelten an meiner Tür, um mich in den nächsten Biergarten zu schleppen. Verlassene zogen für ein paar Tage bei mir ein und leerten meine Weinflaschen. Mein Planungshorizont umfasste acht Stunden. Das erschien mir vorausschauend genug.

Heute kann ich mit Sicherheit sagen, was ich am 23. März 2015 mache. Ich werde zwischen 6.30 und 7.30 aufstehen, mein Kind anziehen, Caffé machen, um 8.30 zur Kita fahren. Dann schalte ich in den Karrieremodus und versuche Verlage auf das eBook vorzubereiten. (obwohl ich gedruckte Bücher auch nicht übel finde) Um Punkt 15.45 Uhr stehe ich dann wieder an der Kita; jetzt als Vollblutmama. Um 20 Uhr schläft Ole seelig ein und ich setzte mich mit Wein aufs Sofa neben Moritz, womit der Geliebte- und beste Freundinnenteil des Tages beginnt. Ausnahmen sind jedes zweite Wochenende und Donnerstags. Da ist Ole bei seinem Papa und ich für 72 oder 48 Stunden wieder spontan, was bei mir dazu führt, dass ich völlig überfordert zuhause bin und keine Ahnung habe, was ich mit dieser ganzen Zeit eigentlich anfangen soll.

In unserer Küche hängt ein „Familienplaner“, in dem die Zeiten aufgeteilt sind. Die Zeiten sind die Basis. Werden diese umgestoßen kommt es zu Panik. Dann laufen wir wie Zootiere wild durch die Gegend, brüllen rum und wollen unseren Käfig zurückhaben. Der Mensch braucht anscheinend Routinen, meine sind der Familienplaner. Alternativ gibt es auch einen Googlekalender den ich mir mit Mark und Moritz teile. Die digitale Boheme muss auch hier verteidigt werden.

Am Anfang habe ich den Familienplaner ignoriert. Er repräsentierte mein Scheitern. Die verschiedenen Spalten zeigten mir jeden Tag, dass Ole zwischen zwei Welten leben musste, weil Mark und ich leider nicht füreinander gemacht waren und das WG Leben sich als noch größeres Desaster herausstellte, als die Beziehung je war. Jetzt liebe ich meinen Planer, er sagt mir, wann ich Zeit mit Ole habe und wann ich wieder mit Freunden raus gehen darf, mich sinnlos betrinke und mein Büro an den Schlachtensee lege. Er ist mein Verbündeter, wenn das Leben zuschlägt. Er sagt mir, dass es weitergeht. In Spalten, mit dem Leben und dem Patchwork.

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